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 Mag. Hofrat Wolfgang Hamedinger
Beruf: Beamter. Funktion: Geschäftsführer. Tätig bei: Die Österreichische Bibliothekenverbund und Service GmbH., 1090 Wien, Brünnlbadgasse 17/2A. Geboren - Datum, Ort: 14. März 1960, Wien. Eltern: Berta und Felix. Ehrungen: Würdigungsmedaille der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (2000). Mitgliedschaften: Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, Österreichische Mathematische Gesellschaft, American Mathematical Society. Hobbies: Musik, Singen (Mitwirkung im Arnold Schönberg Chor und Solist), Computer, Lesen.

Mag. Hofrat Wolfgang Hamedinger

Interview von Mag. Hofrat Wolfgang Hamedinger

Welche waren die wesentlichsten Stationen Ihrer Karriere?
Nach der AHS-Matura studierte ich ab 1978 an der Universität Wien Mathematik und belegte auch naturwissenschaftliche Nebenfächer wie Physik und Astronomie. Im Jahr 1984 schloß ich das Mathematikstudium mit der Sponsion zum Magister erfolgreich ab und wollte eigentlich eine Universitätslaufbahn einschlagen. Ich begann auch mit der Dissertation, doch dann wurde an der Universität Wien eine Fachbibliothek für Mathematik, Statistik und Informatik errichtet, mit deren - zunächst provisorischen - Leitung ich Ende 1986 betraut wurde. Der Aufbau der Bibliothek nahm mich sehr stark in Anspruch, sodaß mir immer weniger Zeit für die Doktorarbeit blieb und ich sie schließlich ad acta legte. 1988 legte ich die Dienstprüfung für den Höheren Bibliotheksdienst ab, im Juni 1989 wurde ich offiziell zum Leiter der Fachbibliothek ernannt. Im Zuge der beginnenden EDV-Einführung wurde ich auch mit anderweitigen Geschäften betraut. Da man offenbar mit meiner Arbeitsweise zufrieden war, wurde ich Mitte 1993 der Österreichischen Nationalbibliothek zugeteilt, wo ich die vakante Stelle des Leiters der Planungsstelle für wissenschaftliches Bibliothekswesen übernahm. Damit war ich nicht mehr mit dem operativen bibliothekarischen Geschäft, sondern in erster Linie mit strategischen, EDV-orientierten Aufgaben befaßt. Die Planungsstelle war ursprünglich als sehr großes, mit umfassenden Agenden ausgestattetes Objekt geplant, scheiterte aber unter anderem an der österreichischen Methodik im öffentlichen Dienst. Als 1995 die beiden Minister Scholten und Busek ihre Ministerien und damit auch einige Zuständigkeiten tauschten, war die Planungsstelle plötzlich einem anderen Ministerium unterstellt und damit in der Arbeit weitestgehend gelähmt. Eine neue Dienststelle wäre eine Lösung gewesen, was aber aufgrund der angestrebten Verschlankung des Verwaltungsapparates nicht durchführbar war. Als österreichische Lösung wurde die Arbeitsgruppe Bibliotheksautomation gegründet, die dem Wissenschaftsministerium unterstellt war, und deren Leitung ich per Jänner 1996 übernahm. In den nächsten Jahren entwickelte der Bibliothekenverbund eine immer stärkere Anziehungskraft und vergrößerte sich außerhalb des Bundes, hatte aber keine brauchbare Rechtsform. Nach langen Geburtswehen wurde schließlich die Österreichische Bibliothekenverbund und Service GmbH gegründet, deren Geschäfte ich einige Monate interimistisch führte, ehe ich am 3. Dezember 2002 offiziell zum Geschäftsführer bestellt wurde. Seit 2003 bin ich als Bundesbeamter karenziert und stehe in einem privatrechtlichen Dienstverhältnis. Die OBVSG versteht sich als Dienstleister für die österreichischen wissenschaftlichen und administrativen Bibliotheken und stellt zentrale Infrastruktur sowie eine Vielzahl von Lösungen im wissenschaftlichen und administrativen Bibliotheksbereich zur Verfügung. Unsere Arbeit beschränkt sich nicht nur auf Österreich, wir kooperieren auch sehr eng mit den Kollegen in Deutschland.
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Es ist ein Erfolg, wenn es mir gelingt, eine Arie tadellos zu singen. Es ist ein Erfolg, wenn es gelingt, einen Algorithmus für ein kompliziertes Datenzusammenspiel zwischen unserem Verbund und einer Bibliothek zu finden und zu programmieren. Es ist ein Erfolg, wenn unsere Dienstleistungen massiv nachgefragt werden und wir die entsprechende Anerkennung bekommen. Es ist ein Erfolg, so gute Mitarbeiter wie ich zu haben. Das alles ist Erfolg, je nachdem welchen Maßstab man nimmt.

Sehen Sie sich als erfolgreich?
Teilweise ja. Natürlich gelingen mir manche Sachen auch nicht, was aber mit daran liegt, daß ich meine Maßstäbe sehr hoch anlege.

Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Es war der richtige Zeitpunkt und die richtige Mischung aus meinen Fähigkeiten und Nicht-Fähigkeiten. Ich bin beispielsweise das vollkommene Gegenteil dessen, was man als richtigen Chef bezeichnen würde, weil ich viel zu milde bin. Im Gegensatz zu vielen Leuten aus meinem Bereich interessiere ich mich durchaus auch für Verwaltung. Außerdem muß man Gelegenheiten erkennen und ergreifen, hin und wieder auch etwas auf Risiko entscheiden. Nur wer nichts tut, macht auch keine Fehler. So kam ich zu diesem Posten, und wenn man dessen Aufgaben entsprechend erfüllt, dann ist es eine langfristige Stellung.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich bin bei der Auswahl der Mitarbeiter dabei, weil ich schließlich die Arbeitsverträge unterschreibe. Aber die jeweiligen Bereichsleiter haben natürlich ein gewichtiges Wort mitzureden. Aufgrund meiner Vorbildung kann ich in den meisten Fällen auch fachlich mitreden, etwa im Bereich der Programmierung, und Fragen einbringen. Wir waren uns aber immer einig, und ich mußte von meinem Endentscheidungsrecht noch keinen Gebrauch machen.

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir haben eine sehr geringe Fluktuationsrate, weil sich die Mitarbeiter wesentlich selbst motivieren. Es ist ja eine spannende, sinnvolle und vielseitige Arbeit, die hier geleistet wird. Und wenn jemand nicht motiviert bei der Sache ist, werde ich auch von außen keine besonderen Anreize schaffen können. In einem gewissen Sinn sind wir hier eine Ansammlung von Verrückten.

Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Von vielen Kollegen aus dem Bibliothekswesen werde ich - entgegen meiner eigenen Ansicht - als großer Diktator gesehen. Ich glaube, man anerkennt mein Fachwissen. Manchmal werde ich auch als hitzköpfig, ungeduldig und rechthaberisch wahrgenommen. Ich kann nicht verbergen, was ich von manchen Äußerungen halte, umgekehrt respektiere ich auch berechtigte Kritik an meiner Meinung.

Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Da gibt es keine klare Grenze, ich sitze abends oft länger im Büro oder arbeite von zu Hause aus. Doch ganz so intensiv wie früher zu Zeiten der Fachbibliothek, als ich auch die meisten Wochenenden durcharbeitete, geht es heute nicht mehr. Ich werde nicht jünger und brauche inzwischen auch meine Phasen der Entspannung, insbesondere als sich die qualitativen Anforderungen deutlich erhöht haben.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich hoffe, daß einiges von dem, was ich im Laufe meines Berufslebens geschaffen habe und hoffentlich noch schaffen werde, fortbesteht und mich überdauert. Ich möchte Spuren hinterlassen und vom Qualitätslevel dessen, was wir hier bieten, als Institution anerkannt werden.



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