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Frauen im Berufsleben
Statistisch zeigt sich auch im Jahr 2026, dass Frauen in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert sind. Zwar ist in Österreich in den vergangenen Jahren eine leichte Verbesserung erkennbar, von einer gleichmäßigen Verteilung kann jedoch noch keine Rede sein. Laut einer aktuellen CRIF-Auswertung liegt der Frauenanteil in Führungspositionen in Österreich derzeit bei 31,4 Prozent. Damit ist der Wert gegenüber 2025 mit 30,8 Prozent und 2024 mit 30,3 Prozent leicht gestiegen. Dennoch bedeutet dies, dass rund zwei Drittel der Führungspositionen nach wie vor von Männern besetzt sind.
Besonders deutlich wird die Unterrepräsentation von Frauen, wenn man nicht nur allgemeine Führungsfunktionen betrachtet, sondern die obersten Entscheidungsebenen großer Unternehmen. Der Frauen.Management.Report 2026 der Arbeiterkammer zeigt, dass in den 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs lediglich 14,5 Prozent der Geschäftsführungspositionen mit Frauen besetzt sind. In den Aufsichtsräten liegt der Frauenanteil mit 28,6 Prozent zwar höher, bleibt aber ebenfalls deutlich unter Parität.
Auch bei börsennotierten Unternehmen zeigt sich ein ähnliches Bild. Das EY Mixed Leadership Barometer 2026 weist für die im Wiener Börse Index gelisteten Unternehmen einen Frauenanteil von 13,8 Prozent in den Vorständen aus. Besonders auffällig ist dabei, dass zum Erhebungszeitpunkt keine einzige Frau eine CEO-Position in diesen untersuchten Unternehmen innehatte.
Diese Zahlen zeigen: Frauen sind heute stärker im Berufsleben vertreten als in früheren Jahrzehnten, doch ihr Aufstieg in die höchsten Führungspositionen erfolgt weiterhin langsam. Während gesetzliche Quoten vor allem in Aufsichtsräten Wirkung zeigen, bleiben Geschäftsführungen und Vorstände deutlich männlich dominiert. Das Problem liegt daher nicht mehr allein im Zugang von Frauen zum Arbeitsmarkt, sondern vor allem im Zugang zu Macht-, Entscheidungs- und Eigentümerstrukturen.
Die heutige Situation ist historisch gewachsen. Im Zuge der Industrialisierung sowie der Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft wurden Frauen zunehmend aus vielen Bereichen des Erwerbslebens verdrängt oder auf bestimmte Rollen festgelegt. Erwerbsarbeit von Frauen wurde häufig als Zuverdienst verstanden, nicht als eigenständige berufliche Karriere. Wenn Frauen im Arbeitsleben akzeptiert waren, dann oft in schlechter bezahlten Bereichen, in Tätigkeiten mit geringerem Prestige oder in Berufen, die als „weiblich“ galten. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts gelang es einer größeren Zahl von Frauen, sich beruflich zu emanzipieren und höhere Bildungsabschlüsse, qualifizierte Berufe und Führungsverantwortung zu erreichen.
Trotz dieser Entwicklung wirken alte Rollenmuster bis heute nach. Frauen werden in Führungsfragen noch immer anders beurteilt als Männer. Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Ehrgeiz oder Konfliktfähigkeit werden bei Männern häufig als Führungsstärke interpretiert, bei Frauen hingegen nicht selten kritischer bewertet. Gleichzeitig werden Frauen immer noch stärker mit Erwartungen an Harmonie, Fürsorge und Vereinbarkeit von Beruf und Familie konfrontiert. Dadurch entsteht ein doppelter Maßstab: Frauen sollen führungsstark auftreten, dabei aber nicht zu hart wirken; sie sollen beruflich erfolgreich sein, ohne familiäre Erwartungen zu vernachlässigen.
Die Analyse erfolgreicher Frauen zeigt jedoch ein anderes Bild als manche traditionelle Zuschreibung. Frauen in Führungspositionen präsentieren sich häufig selbstbewusst, entscheidungsfreudig, konfliktfähig und belastbar. Viele identifizieren sich stark mit ihrem Beruf, übernehmen Verantwortung und sind keineswegs bereit, sich dauerhaft mit einer Rolle in der zweiten Reihe zufriedenzugeben. Dass sie dennoch seltener in Spitzenpositionen gelangen, ist daher nicht überzeugend mit mangelndem Ehrgeiz oder fehlender Eignung zu erklären. Vielmehr spielen strukturelle Faktoren eine wesentliche Rolle: Netzwerke, Beförderungslogiken, Teilzeitfallen, ungleiche Verteilung von Familienarbeit, traditionelle Rollenbilder und informelle Machtstrukturen.
Auffallend bleibt, dass Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch heute noch überwiegend als Problem der Frauen wahrgenommen werden. Während Männer mit Familie im Berufsleben oft als stabil und verantwortungsbewusst gelten, kann Mutterschaft für Frauen weiterhin als Karrierehemmnis wirken. Die sogenannte Doppelbelastung wird damit nicht als gesellschaftliche oder organisatorische Aufgabe verstanden, sondern häufig individualisiert: Frauen sollen selbst Wege finden, Karriere, Kinderbetreuung, Haushalt und persönliche Ansprüche miteinander zu vereinbaren.
Die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2026 zeigen daher ein gemischtes Bild. Einerseits steigt der Frauenanteil in Führungspositionen langsam an. Andererseits bleiben die obersten Ebenen der Wirtschaft weiterhin stark männlich geprägt. Besonders in Geschäftsführungen und Vorständen ist der Abstand zur Gleichstellung groß. Fortschritte sind sichtbar, aber sie entstehen nicht automatisch. Dort, wo gesetzliche Vorgaben oder verbindliche Zielsetzungen bestehen, entwickelt sich der Frauenanteil schneller. Wo solche Vorgaben fehlen, bleibt der Wandel deutlich langsamer.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Frauen sind im Berufsleben längst keine Ausnahme mehr, in den höchsten wirtschaftlichen Entscheidungspositionen aber weiterhin unterrepräsentiert. Die Frage ist daher nicht mehr, ob Frauen führen können, sondern warum Organisationen ihr Führungspotenzial noch immer nicht im gleichen Ausmaß nutzen wie jenes der Männer.
Hier sind fünf Bücher, die verschiedene Aspekte des Themas beleuchten:
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"Lean Out: Elissa Shevinsky Edits Essays By 25 Women In Tech" von Elissa Shevinsky (Hrsg.)
Dieses Buch ist eine Sammlung von Essays, die die Erfahrungen von Frauen in der Technologiebranche untersuchen. Es stellt eine alternative Perspektive zu Sheryl Sandbergs "Lean In" dar und fokussiert sich darauf, warum das System, nicht die Frauen, sich ändern muss. -
"Lean In: Women, Work, and the Will to Lead" von Sheryl Sandberg
Das bekannte Buch der Facebook COO behandelt die Herausforderungen, denen Frauen im Berufsleben gegenüberstehen, und gibt Ratschläge, wie Frauen Karriere machen können, während sie gleichzeitig ihre persönlichen Ziele verfolgen. -
"The Confidence Code: The Science and Art of Self-Assurance – What Women Should Know" von Katty Kay und Claire Shipman
Dieses Buch untersucht, wie Selbstvertrauen Frauen in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung unterstützen kann. Es bietet wissenschaftliche Erkenntnisse sowie praktische Ratschläge. -
"Thrive: The Third Metric to Redefining Success and Creating a Life of Well-Being, Wisdom, and Wonder" von Arianna Huffington
Dieses Buch beleuchtet den breiten Kontext des Erfolgs und betont, dass es für Frauen (und Männer) wichtig ist, auch andere Lebensbereiche wie Gesundheit und persönliches Wohlbefinden in ihre Karrierepläne einzubeziehen. -
"Dare to Lead: Brave Work. Tough Conversations. Whole Hearts." von Brené Brown
Obwohl nicht spezifisch auf Frauen ausgerichtet, bietet dieses Buch tiefe Einblicke in Führung und ist besonders relevant für Frauen, die Führungspositionen anstreben oder innehaben. Brené Brown diskutiert, wie man mit Verletzlichkeit umgehen und dennoch eine effektive Führungspersönlichkeit sein kann.
Diese Bücher bieten eine Vielzahl von Perspektiven und sind ein guter Ausgangspunkt für jeden, der sich mit den speziellen Herausforderungen und Möglichkeiten auseinandersetzen möchte, die Frauen im Berufsleben begegnen.







